Die Darm-Hirn-Achse im TCM-System

Was sagt der Bauch?

Der Darm hat zwar weder Augen noch Ohren, doch dafür kommuniziert er ziemlich intensiv mit dem Gehirn – und zwar über sein Mikrobiom. Das sind die unzähligen Mikroorganismen, die den Darm besiedeln und uns bei der Verdauung helfen. Erst seit kurzem versteht man, wie eng Darm und Gehirn zusammenhängen und sich über die Nerven und über Botenstoffe im Blut austauschen.

Das zentrale Nervensystem steuert zahlreiche Prozesse im Körper. Darüber hinaus dient jedoch auch zur Kommunikation zwischen Darm und Gehirn (Darm-Hirn-Achse) und sorgt dafür, dass beide sich über eine Rückkopplung gegenseitig beeinflussen. Nicht nur Krankheiten, Entzündungen und das Gewicht werden so von der Darmflora mitgesteuert, sondern sogar das Denken und die Wahrnehmung. Der Darm reguliert also unsere Stimmung und hat Einfluss darauf, ob wir Freude, Angst oder Wut empfinden.

Darmbakterien steuern die Psyche

Verändert sich die Darmflora, dann hat das Auswirkungen auf die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn und damit auf die Psyche. Dies kann beeinflussen, wie wir Stress empfinden, es kann depressive Verstimmungen auslösen und Schlafstörungen verursachen. Zum Beispiel wird auch das Hormon Oxytocin, das das Sozialverhalten fördert, von Bakterien im Darm produziert. Welcher Teil der Darm-Hirn-Achse der Auslöser ist, ist meist noch unklar, nur beim Reizdarmsyndrom wird das Mikrobiom für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich gemacht.

Dass es Zusammenhänge zwischen chronischen Magen-Darm-Krankheiten und psychischen Erkrankungen und Schlafstörungen gibt, ist schon seit längerem bekannt. Auch dass Menschen mit Schlafstörungen häufiger unter Herzproblemen leiden, hat man beobachtet (Link zur Herzstiftung). Aber wie genau das Mikrobiom Emotionen und kognitive Fähigkeiten beeinflusst, kann die Forschung noch nicht sagen.

Stoffwechselstörungen, neurologische Erkrankungen und bestimmte psychische Störungen stehen oft im Zusammenhang mit Unterschieden bei der Zusammensetzung der Darmbakterien – im Vergleich zu gesunden Menschen. Dies wurde bei Alzheimer, Parkinson und ALS festgestellt. Auch bei Neurodivergenzen wie etwa Autismus oder ADHS gibt es in der Regel Abweichungen im Mikrobiom, also den Mikroorganismen im Darm.

Yin und Yang der Wandlungsphasen

Für die TCM sind die neuen Forschungserkenntnisse nicht verwunderlich. Das energetische Menschenbild des Taoismus hat immer schon einen Zusammenhang zwischen psychischen und organischen Symptomen gesehen. Statt von Organen wird deshalb von „Funktionskreisen“ und „Meridianen“ gesprochen, und zu jedem Meridian gehört jeweils ein Yin- und ein Yang-Organ:

Das Gehirn gehört hier mit zum Herz-Funktionskreis.

Da jeder Funktionskreis wiederum mit den anderen in Austausch ist, entsteht ein Zyklus, bei der die Energie von einem in den nächsten fließt (Wandlungsphasen). Im gesunden Zustand sind die Energien ausgeglichen und fließen frei dorthin, wo sie gebraucht werden.

Stockt die Energie an einer Stelle, gibt es also eine Blockade, dann entsteht eine Krankheit. Energieblockaden können durch äußere oder innere Einflüsse auftreten. Äußere Einflüsse wie falsche Ernährung können ein Ungleichgewicht bewirken, das irgendwann eine Energieblockade verursacht.

Dann können Krankheiten wie Bauchschmerzen oder Verdauungsprobleme auftreten, aber auch Hautprobleme, Müdigkeit, Schlaflosigkeit oder Grübeln.

Imbalance führt zu Beschwerden

Da jeder Mensch individuelle Schwachstellen hat, wirkt sich der Zyklus der fünf Wandlungsphasen unterschiedlich aus. Entspricht ein Mensch beispielsweise dem Milz-Typ (Erde), dann neigt er zum Grübeln und wird vielleicht keinen Appetit mehr haben. Ist er eher ein Herz-Typ (Feuer), dann könnte er Probleme mit dem Durchschlafen oder Panikattacken bekommen. Allerdings sind die meisten Menschen Mischtypen und die Diagnose ist nicht ganz so klar.

Die Ernährung nach der TCM ist darauf ausgerichtet, die Energie der Wandlungsphasen wieder auszugleichen und die Blockaden zu lösen. Unterstützend können Qi Gong-Übungen, Akupressur oder Tuina-Massagen und bestimmte Kräuter helfen. In der Regel dauert es eine gewisse Zeit, bis die Wirkung eintritt. Für akute Probleme eignet sich die Anwendung daher weniger, sondern eher für Menschen, die bereit sind, sich auf eine gesunde Lebensweise einzustellen.

Stressmanagement gegen Darmbeschwerden

Doch nicht nur die Ernährung kann helfen. Da Psyche und Darm so eng zusammenhängen, liegt die Ursache der Probleme oft im beruflichen oder privaten Stress. Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) empfiehlt daher bei psychisch bedingten Darmbeschwerden, Entspannungstechniken zum Stressabbau anzuwenden:

Qi Gong, Meditation, Atemtherapie, Akupunktur (also TCM) und weitere Übungen wie die progressive Muskelentspannung sowie Sport.

Auch in meinem Programm ETMS sind dies die hauptsächlichen Inhalte der Stressreduktion. Darüber hinaus beinhaltet es noch mentale Übungen und Affirmationen, Musik, Kunsttherapie sowie ASMR.

Hier findest du mehr dazu. 

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