Was ist Taoistische Heilkunde?

Alle Heilmethoden, die heute im Rahmen der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) im Westen verbreitet werden, entstammen der Lehre und Philosophie des Taoismus (oder Daoismus, je nach Umschrift). Die taoistischen Lehren wurden wie alle anderen Religionen in der chinesischen Kulturrevolution und danach unterdrückt und verboten.  

Später begann man wieder, den Nutzen der alten Weisheitslehren zu erkennen, nicht zuletzt, weil man entdeckte, dass sich die „TCM“ gut im Westen verkaufen ließ. Da es sich bei der taoistischen Heilkunde jedoch zum größten Teil nicht um eine „Medizin“ im westlichen Sinne handelt, betone ich lieber den tatsächlichen Ursprung der Lehre.

Leben mit den fünf Elementen

Nach der alten taoistischen Weltsicht beruht alles auf fünf energetischen Prinzipien: Erde, Wasser, Holz, Feuer und Metall. Diese Prinzipien stehen miteinander in Wechselwirkung. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihrer Energie. Im nährenden Zyklus gibt das Feuer seine Energie an die Erde, die Erde nährt das Metall, Metall nährt Wasser, Wasser nährt Holz und Holz nährt das Feuer.

Umgekehrt kann das Feuer durch zu viel Erdenergie erstickt werden, ein zu großes Feuer frisst das Holz und zu viele Pflanzen verbrauchen das Wasser, so dass es nicht mehr für Tiere und Menschen zur Verfügung steht. Ständige Feuchte führt bei Metall zum Rosten, Metall entnimmt der Erde Mineralien und mit zu viel Erde (Asche) erstickt das Feuer.

Inbalance führt zu Beschwerden

Im Kontrollzyklus löscht Wasser das Feuer und kontrolliert es so. Feuer schmilzt das Metall, Metall spaltet Holz, Holz durchdringt mit seinen Wurzeln die Erde, und die Erde saugt Wasser auf. Die Elemente sollten immer im Gleichgewicht sein, sonst kommt dieser Kreislauf ins Stocken. Nach taoistischer Vorstellung spiegeln sich die fünf Elemente in allen Lebensformen, und zwar in ihren Eigenschaften, ihrem Geschmack, ihrer Farbe oder der Energie. Jedes Lebewesen hat immer alle fünf Aspekte in sich, und ein starkes Ungleichgewicht führt zu Problemen, Beschwerden oder einer Krankheit.

Beispielsweise könnte eine rote Gesichtsfarbe (Hitze), hoher Blutdruck und Herzrasen auf ein Übergewicht am Element Feuer hinweisen. Der energetische Ausgleich kann mit einer Stärkung der Erde oder des Wassers gemacht werden oder, indem das Element Holz reduziert wird. Dabei geht es nicht nur um die Ernährung. Zum Beispiel ist es auch möglich, das Feuer durch Entspannungsübungen wie Qi Gong einzudämmen oder die Wasserenergie mit Feng-Shui-Maßnahmen anzuregen.

Energie und Materie

Trotz dieser bildhaften Beschreibung sollte man nicht vergessen, dass die beschriebenen Analogien nicht wörtlich gemeint, sondern energetischer Natur sind. Das ist ein prinzipieller Unterschied zu der Theorie der vier Grundelemente der westlichen Philosophie, die tatsächlich auf der Vorstellung von Materie beruht.

Die vorchristlichen griechischen Philosophen erklärten die Welt mit der „Vier-Elemente-Lehre“. Hiernach besteht alles Sein aus den vier „Essenzen“ oder Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Damit waren die drei Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig) sowie das „glühend Verzehrende“ gemeint.

Diese eher archaische Vorstellung beruht auf der Theorie der Materie, die im Bereich der westlichen Medizin leider für viele Menschen tödliche Konsequenzen hatte. Denn Krankheiten wurden – wie auch im alten China – mit einem Ungleichgewicht der Elemente erklärt, allerdings nicht energetisch, sondern auf die Materie bezogen. Krankheiten wurden demgemäß durch die Zufügung des fehlenden Elements über die Nahrung (Ernährung und Heilpflanzen) behandelt oder ein Überfluss abgeleitet.

Als die Mediziner dann auch begannen, zu operieren, starben viele der Patienten, denn Mikroorganismen und ihre Wirkungen waren noch unbekannt. Die Einengung auf das Sicht- und Greifbare hatte fatale Folgen für viele Menschen in den Krankenhäusern, da das Wundfieber vor diesem Hintergrund unerklärlich schien. Auch die Ursache von Infektionskrankheiten gab den Medizinern lange Rätsel auf. 

Bis ins 19. Jahrhundert hinein hielt man giftige Ausdünstungen aus dem Erdreich für verantwortlich für die Infektionen, denn so etwas wie „unsichtbare“ Bakterien schien der Vier-Elemente-Lehre zu widersprechen. Auch, wenn Medizin und Naturwissenschaften heute natürlich über Materie und Energie andere Vorstellungen haben, hält sich die Zentrierung auf die Materie im Westen hartnäckig.

Medikamente und Operationen

Lange hat sich die Schulmedizin mit der Anerkennung von „psychosomatischen“ Beschwerden (also den Wirkungen der Psyche auf den Körper) schwergetan, da der wissenschaftliche Nachweis schwierig ist. Im herrschenden Gesundheitssystem bestehen Therapien vorwiegend aus chirurgischen Eingriffen und Medikation.

Andere Therapieformen (wie die Psychotherapie) nehmen vergleichsweise nur einen sehr geringen Anteil ein. Manuelle Behandlung wie die Physiotherapie oder Akupunktur wird zum großen Teil nicht von Ärzten durchgeführt. Die Diagnose geschieht vorwiegend aufgrund von Messungen und bildgebender Diagnostik.

a group of doctors performing surgery on a patient

Die fünf Wirkprinzipien

Während das westliche Gesundheitssystem sich also streng an wissenschaftliche Standards und Messmethoden hält, trennt es psychische Krankheitsfaktoren von der Diagnostik ab. Diese werden erst dann betrachtet, wenn keine physische Ursache für die Beschwerden auffindbar ist. Allerdings kann der Patient bei vermuteter Psychosomatik nicht an einen Facharzt verwiesen werden, denn die Symptome sind ja physisch. Erst, wenn der Patient zusätzlich über psychische Beschwerden, wie etwa Depressionen klagt, ist es ein Fall für den Psychiater. 

Die taoistische Heilkunde ist demgegenüber eine ganzheitliche Methode, die sich nicht nur auf Messwerte bezieht, sondern subjektive Empfindungen des Patienten in den Vordergrund stellt. Oft sind Schmerzen und andere körperliche Symptome ein Signal für ein Ungleichgewicht, das durch mentale oder psychische Probleme entstanden ist. Ziel ist es dann, das energetische Gleichgewicht des Organismus herzustellen. Die taoistische Heilkunde ist demnach kein Ersatz, sondern eine Ergänzung für die westliche Medizin und steht nicht zu ihr in Konkurrenz.

Sie beruht auf verschiedenen Wirkprinzipien, den „5 Säulen der TCM“:

  • Säule 1: Akupunktur und Moxibustion
  • Säule 2: Heilpflanzen (Kräuter)
  • Säule 3: Körperübungen (Qi Gong, Tai Chi)
  • Säule 4: Massagen (manuelle Therapie)
  • Säule 5: Ernährung

Bei Akupunktur und Massagen wird der Fluss der Lebensenergie Qi auf den sogenannten „Meridianen“, den Energieleitbahnen des Körpers angeregt. Heilpflanzen sind die Medikamente der traditionellen chinesischen Mediziner. Mit Körperübungen unterstützt man die Wirkung der Massagen, der Akupunktur und der Kräuter. Es sind zwar relativ einfache Bewegungen, die aber über die Atemtechnik und mentale Vorstellungen eine starke energetische Wirkung entfalten können. Die Ernährung ist die hierzu komplementäre materielle Unterstützung.

Lässt man eine der Säulen weg, dann verzichtet man auf einen Teil der Wirkung. Eine ganzheitliche Behandlung nutzt am besten alle Möglichkeiten, da man nie genau weiß, was bei einer Person am besten wir

Diagnosemethoden 

Da sich Yin und Yang und die fünf Elemente im kleinen und im großen zeigen – analog dem hermetischen Gesetz „wie innen, so außen“, hat man in der TCM zahlreiche Diagnosemöglichkeiten. Eine davon ist das Facereading, denn auch im Gesicht erkennt man Holz, Metall, Feuer, Erde und Wasser. In der Shiatsu-Diagnose lassen sich Blockaden am Körper wahrnehmen. Aber auch das Verhalten, die Essensvorlieben und nicht zuletzt das himmlische Qi (die astrologischen Daten) geben Hinweise.

Wenn du unklare Beschwerden, Schmerzen oder psychosomatische Symptome verspürst, Allergien hast, die dein Leben einschränken, dich belasten und nicht auf eine diagnostizierte Krankheit zurückzuführen sind, dann lass dir eine Diagnose erstellen.

Schwerwiegende und ernsthafte Erkrankungen sind davon ausgenommen! Bitte wende dich in diesen Fällen stattdessen an einen Facharzt. 

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